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Nur für medizinisches Fachpersonal in Europa bestimmt
Lunge

Was ist ein intrahepatisches Cholangiokarzinom (iCCA)?

iCCA ist ein Subtyp des Cholangiokarzinoms (CCA, auch Gallengangskarzinom)

CCA, die häufigste primäre Malignität des Gallenganges, wird nach seinem anatomischen Ursprung in iCCA und extrahepatische CCA (eCCA) klassifiziert.

eCCA wird in zwei weitere Typen unterteilt:1-3

  • perihiläres CCA (pCCA) (auch „Klatskin-Tumor“ genannt) ist mit 50 – 70 % die häufigste Form aller CCA-Fälle1,3
  • distales CCA (dCCA) macht 30 - 40 % der gesamten CCA-Fälle aus1,3

iCCAs haben ihren Ursprung in den Gallengängen in der Leber und macht <10 % der CCA-Fälle aus.1

Das Cholagiokarzinom wird nach dem anatomischem Ursprung klassifiziert:3,4

Lungenbild

CCA, Cholangiokarzinom; dCCA, distales Cholangiokarzinom; eCCA, extrahepatisches Cholangiokarzinom; iCCA, intrahepatisches Cholangiokarzinom; pCCA, perihiläres Cholangiokarzinom.

Inzidenz des iCCA

Europaweit liegen die Inzidenzraten von CCA zwischen 0,5/100.000 und 3,4/100.000.6

In Deutschland liegt die Inzidenzrate von iCCA bei 2,8 / 100.000 für Männer und 1,6 / 100.000 für Frauen.7

Obwohl es sich um eine seltene Erkrankung handelt, nimmt die Inzidenz des iCCA weltweit zu. Diese Zunahme kann unter anderem auf folgende Faktoren zurückgeführt werden:8-10

  • zunehmende Belastung durch chronische Lebererkrankungen
  • ein potenzieller Einfluss von Umweltgiften
  • verbesserte Instrumente in der Diagnostik und Bildgebung
  • epidemiologische Trends, wie die zunehmende Prävalenz von Diabetes, Fettleibigkeit und Alkoholkonsum

Weltweite Inzidenz des CCA (Fälle pro 100.000)6

Weltkarte mit Inzidenz von CCA Weltkarte mit Inzidenz von CCA

Die Daten beziehen sich auf den Zeitraum 1971-2009. Soweit verfügbar, wurden der häufigere Subtyp (iCCA gegenüber eCCA) und der zeitliche Trend der Inzidenz (↑steigende Tendenz; ↔ stabile Tendenz; ↓fallende Tendenz) angegeben.
CCA, Cholangiokarzinom; eCCA, extrahepatisches Cholangiokarzinom; iCCA, intrahepatisches Cholangiokarzinom.

Weltweite Inzidenz des CCA (Fälle pro 100.000)6

Österreich

Österreich

2.67 ↑eCCA>↑iCCA
(1990—2009)
Dänemark

Dänemark

1.27 ↓eCCA>↓iCCA
(1978—2002)
Finnland

Finnland

1.05
Frankreich

Frankreich

1.3 ↔eCCA>↔iCCA
(1976—2005)
Deutschland

Deutschland

Saarland 2 Hamburg 3 ↑eCCA=↑iCCA
(1970—2006)
Italien

Italien

3.36 ↑eCCA>↑iCCA
(1988—2005)
Polen

Polen

0.7
Spanien

Spanien

0.5
Schweiz

Schweiz

0.45
Großbritannien

Großbritannien

2.17 ↑iCCA>↓eCCA
(1971—2001)

Kanada

Kanada

0.35
USA

USA

1.6 ↑iCCA>↔eCCA
(2003—2009)

Costa Rica

Costa Rica

0.3
Puerto Rico

Puerto Rico

0.35

China

China

Shanghai 7.55 Qidong 7.45 iCCA>eCCA
Hongkong 2.25 Guangzhou 0.97 iCCA>eCCA
Israel

Israel

0.3
Japan

Japan

Osaka 3.5 Hiroshima 3.05 ↓eCCA>↑iCCA
(1985—2005)
Philippinen

Philippinen

1.2 iCCA>eCCA
Singapur

Singapur

1.45 iCCA>eCCA
Südkorea

Südkorea

Gwangju 8.75 Daegu 7.25 Busan 7.1 ↑iCCA>↑eCCA
(1999—2005)
Taiwan

Taiwan

4.7 iCCA>eCCA
Thailand

Thailand

Nordost 85 Norden 14.6 Mitte 14.4 Süden 5.7 ↑iCCA>↔eCCA
(1998—2002)
Vietnam

Vietnam

0.1 iCCA>eCCA

Australien

Australien

0.43
Neuseeland

Neuseeland

0.4

Die Daten beziehen sich auf den Zeitraum 1971-2009. Soweit verfügbar, wurden der häufigere Subtyp (iCCA gegenüber eCCA) und der zeitliche Trend der Inzidenz (↑steigende Tendenz; ↔ stabile Tendenz; ↓fallende Tendenz) angegeben.
CCA, Cholangiokarzinom; eCCA, extrahepatisches Cholangiokarzinom; iCCA, intrahepatisches Cholangiokarzinom.

Herausforderungen beim iCCA

Patienten mit iCCA stehen erheblichen klinischen Herausforderungen, wie einer schlechten Prognose und begrenzten Behandlungsmöglichkeiten, gegenüber.11

Trotz verbesserter Technologien gibt es beim iCCA weiterhin zahlreiche diagnostische Herausforderungen wie:11-13

Infolgedessen wird bei 60 % - 70 % der Patienten eine inoperable lokale oder metastasierende Erkrankung mit einer medianen Überlebenszeit von ~12 bis 15 Monaten diagnostiziert.11 Bei den 30 % - 40 % der für eine potentiell kurative Resektion in Frage kommenden Patienten kommt es jedoch bei den meisten (~60 % - 65 %) zum Rezidiv.12,14-16

Für Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung ist die Erstlinientherapie mit Gemcitabin/Cisplatin allgemein anerkannter Standard. Bei der Zweitlinientherapie sind die therapeutischen Möglichkeiten begrenzt und ohne zugelassene Therapien erhalten die Patienten möglicherweise nur eine bestmögliche unterstützende Behandlung (best supportive care).12,17

Progressionsfreies Überleben und Gesamtüberleben mit Zweitlinientherapien (2L) beim iCCA und anderen Gallenwegskarzinomen18–20

Ein systematischer Literaturreview stellt die Überlebens- und/oder Ansprechraten aus 25 Studien über Patienten mit fortgeschrittenem Gallengangskarzinom, die den Einsatz einer systemischen 2L-Chemotherapie untersuchten, wie folgt dar:18

Die Ansprechrate der 2L-Chemotherapie lag bei 7,7 %.18

Es gab keine ausreichende Evidenz für die Empfehlung einer spezifischen 2L-Chemotherapie, obwohl die Daten darauf hindeuteten, dass einige Patienten von einer Chemotherapie in diesem Rahmen profitieren könnten.18

Systematischer Review
Primärer Endpunkt: OS (N=761)

Systematic review of 2l chemotherapies

2L, Zweitlinientherapie; KI, Konfidenzintervall; OS, Gesamtüberleben (overall survival); PFS, progressionsfreies Überleben (progression-free survival).

Abbildung basiert auf Daten von Lamarca A, et al. 2014.18

Eine randomisierte, offene, multizentrische Phase-3-Studie (ABC-06 Studie) zur Untersuchung einer Verbesserung des Gesamtüberlebens (OS) bei Patienten mit fortgeschrittenen biliären Tumoren, die zuvor mit einer Gemcitabin/Cisplatin-Chemotherapie behandelt wurden, verglich ausschließlich aktive Symptomkontrolle (ASC) (n=81) mit ASC und mFOLFOX Schema (n=81).19

Die Kombination aus ASC + mFOLFOX führte zu einer statistisch bedeutsamen Steigerung des Gesamtüberlebens (OS), die den Einsatz dieses Regimes in der Zweitlinientherapie unterstützt.19

Die Hazard Ratio beim OS war 0,69
(95 % KI, 0,50–0,97; P=0,031; ASC + mFOLFOX versus ASC).19

ABC-06 Studie
Primärer Endpunkt: OS (N=162)

ABC-06 study of ASC + mFOLFOX vs ASC

ABC (Advanced Biliary Cancer); fortgeschrittene biliäre Tumoren; ASC (Active Symptom Control), aktive Symptomkontrolle; KI, Konfidenzintervall; mFOLFOX, modifiziertes Fluorouracil, Leucovorin und Oxaliplatin; OS, Gesamtüberleben (overall survival).

Abbildung basiert auf Daten von Lamarca A, et al. 2021.19

Eine randomisierte, multizentrische, offene Phase-2b-Studie (NIFTY) verglich liposomales Irinotecan, auch bekannt als nanoliposomales Irinotecan (Nal-IRI), plus 5-Fluorouracil (5-FU)/Leucovorin (LV) (n=88) mit 5-FU/LV (n=86) als 2L-Therapie bei Patienten mit metastasiertem Gallengangskrebs, nach Progression auf Gemcitabin/Cisplatin Chemotherapie.20

Nal-IRI + 5-FU/LV verbesserte das vom BICR bewertete PFS und OS im Vergleich zu 5-FU/LV signifikant, was die Verwendung im 2L-Setting unterstützt.20

Die Hazard Ratio für das BICR-bewertete PFS betrug 0,61
(95% KI, 0,44–0,86; P=0,004; Nal-IRI + 5-FU/LV vs 5-FU/LV).20

Die Hazard Ratio beim OS war 0,68
(95% KI, 0,48–0,95), P=0,02; Nal-IRI + 5-FU/LV vs 5-FU/LV).20

NIFTY Studie
Primärer Endpunkt: BICR-bewertetes PFS (N=174)

NIFTY study: BICR-assessed vs Medium OS

2L, Zweitlinie; 5-FU, 5-Fluorouracil; BICR, verblindete unabhängige zentrale Überprüfung; KI, Konfidenzintervall; LV, Leucovorin; Nal-IRI, nanoliposomales Irinotecan; OS, Gesamtüberleben (overall survival); PFS, progressionsfreies Überleben (progression-free survival).

Abbildung basiert auf Daten von Yoo C, et al. 2022.20

Eine Biopsie ist für die Bestätigung einer spezifischen iCCA-Diagnose erforderlich.13

Da es kontinuierlich neue wissenschaftliche Erkenntnisse und klinische Behandlungsoptionen für das iCCA gibt, ist es entscheidend, das iCCA akkurat zu diagnostizieren und diesen Krebs von anderen Tumorentiäten der Gallenwege zu unterscheiden; eine alleinige Bildgebung ist hier nicht ausreichend.13
REFERENZEN: 1. Ghouri YA, et al. J Carcinog. 2015;14:1. 2. Ghidini M, et al. Cancer Manag Res. 2019;11:379–88. 3. Razumilava N, Gores GJ. Lancet. 2014;383:2168–79. 4. Blechacz B. Gut Liver. 2017;11:13–26. 5. Lowery MA, et al. Clin Cancer Res. 2018;24:4154–61. 6. Banales JM, et al. Nat Rev Gastroenterol Hepatol. 2016;13:261–80. 7. Sinn M, et al. Onkopedia Leitlinien: Biliäre Karzinome: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/biliaere-karzinome/@@guideline/html/index.html (Zugriff Oktober 2022). 8. Khan SA, et al. Liver Int. 2019;39(suppl 1):19–31. 9. Kirstein MM, et al. Visc Med. 2016;32:395–400. 10. Valle JW, et al. Ann Oncol. 2016;27(suppl 5):v28–v37. 11. Blechacz B, et al. Nat Rev Gastroenterol Hepatol. 2011;8:512–22. 12. Bridgewater J, et al. J Hepatol. 2014;60:1268–89. 13. Banales JM, et al. Nat Rev Gastroenterol Hepatol. 2020;17:557–88. 14. Rizvi S, et al. Gastroenterology. 2013;145:1215–29. 15. Choi SB, et al. Ann Surg Oncol. 2009;16:3048–56. 16. Endo I, et al. Ann Surg. 2008;248:84–96. 17. Valle JW, et al. Cancer Discov. 2017;7:943–62. 18. Lamarca A, et al. Ann Oncol. 2014;25:2328–38. 19. Lamarca A, et al. Lancet Oncol. 2021;22:690–701. 20. Yoo C, et al. Ann Oncol. 2022;33(suppl 7):S19–S26.